Spritzguss
7 DFM-Fehler, die den Spritzguss-Preis verdoppeln
Veröffentlicht am 22. Juni 2026 · ca. 6 Min. Lesezeit
90 % der teuren Werkzeugänderungen passieren, weil das CAD-Modell nicht DFM-geprüft wurde. Diese 7 Fehler sehe ich in jedem dritten Projekt. Jeder einzelne kann den Werkzeugpreis verdoppeln – oder das Projekt um Wochen verzögern.
Fehler 1: Hinterschnitte ohne Kernzüge
Hinterschnitte (Undercuts) sind Geometrien, die das Teil am Auswerfen hindern. Ohne geplante Schieber (Slides) oder Kernzüge (Lifters) zwingen Sie den Werkzeugbauer zu teuren nachträglichen Lösungen.
- Mehrkosten: 2.000 – 8.000 € pro Schieber
- Lösung: Hinterschnitte frühzeitig erkennen und entweder das Design ändern oder Schieber von Anfang an einplanen
Fehler 2: Zu viele Kavitäten von Anfang an
Eine 4-fach-Form klingt effizient, kostet aber das 2,5-Fache einer 1-fach-Form. Für Prototypen und kleine Serien lohnt sich das fast nie.
- Mehrkosten: 150 % mehr Werkzeuginvestition bei 4-fach vs. 1-fach
- Lösung: Mit 1-Kavitäten-Form starten, bei Bedarf skalieren. Das spart Kapital und reduziert das Risiko.
Fehler 3: Falsches Material für die Anforderung
Materialwahl nach Preis statt nach Funktion – das geht fast immer schief:
- PA6 – saugt Feuchtigkeit auf, verformt sich bei unkontrollierter Lagerung
- PP – neigt zu Verzug bei ungleichmäßiger Wandstärke
- ABS – wird bei Kälte spröde, Rissbildung im Außeneinsatz
Lösung: Materialwahl immer an der Funktion festmachen, nicht am Preis. Ein Material-Review vor dem Werkzeugbau kostet wenig und spart teure Werkzeugänderungen.
Fehler 4: Keine Entformungshilfe geplant
Ohne durchdachte Auswerferpositionen (Ejector Pins) klebt das Teil in der Form. Das Ergebnis: Kratzer, Verformungen, Ausschuss.
- Risiko: Beschädigte Teile, höhere Ausschussrate, Werkzeugänderungen
- Lösung: Auswerferpositionen frühzeitig im CAD planen. Mindestens 3–4 gleichmäßig verteilte Auswerfer pro flächiges Teil.
Fehler 5: Zu komplexe Geometrie
Jeder Hinterschnitt, jede freie Fläche, jeder lose Kern (Loose Core) treibt die Werkzeugkosten in die Höhe. Mehrteilige Werkzeuge sind teuer und fehleranfällig.
- Mehrkosten: Multi-Part-Molds, zusätzliche Schieber, manuelle Entnahmesysteme
- Lösung: Geometrie vereinfachen wo möglich. Oft reicht eine kleine Designänderung, um einen Schieber zu eliminieren.
Fehler 6: Oberfläche nicht spezifiziert
Wenn Sie keine Oberflächenklasse angeben, wählt der Werkzeugbauer die günstigste Option – meist SPI-D2 (rau/matt). Das passt nicht immer zum Produkt.
- Risiko: Unerwartetes Finish, nachträgliche Polierkosten, Verzögerung
- Lösung: SPI-Klasse im CAD festlegen. Für Sichtteile mindestens SPI-B1 (fein), für Funktionsflächen SPI-D1/D2 ausreichend.
Fehler 7: Toleranzen zu eng ohne Funktion
±0,05 mm überall einzutolerieren klingt gründlich, kostet aber 30–50 % mehr Werkzeugkosten. Der Werkzeugbauer muss härteres Material verwenden, mehr Schleif- und Poliergänge einplanen.
- Mehrkosten: 30–50 % auf den Werkzeugpreis bei durchgängig engen Toleranzen
- Lösung: Standardtoleranzen (±0,1 – 0,2 mm) verwenden, außer an funktionellen Schnittstellen (Passungen, Dichtflächen).
Was eine DFM-Prüfung bringt
Ein DFM-Audit identifiziert alle sieben Fehler, bevor das Werkzeug bestellt wird. Das spart Zeit, Geld und Nerven:
- Alle 7 Fehler frühzeitig erkennen – bevor sie ins Werkzeug eingebaut werden
- 30–60 % der Werkzeugänderungskosten sparen – durchschnittlich in der Praxis
- DFM-Audit: 1.200 € einmalig – spart oft 5.000 – 20.000 € an nachträglichen Änderungen
Die DFM-Prüfung lohnt sich ab dem ersten Werkzeug. Sie erhalten einen strukturierten Bericht mit priorisierten Handlungsempfehlungen – kein vager Hinweis, sondern konkrete Maßnahmen mit Kostenabschätzung.

Anton Steenken
B.Eng. · Hardware R&D Engineer · Gründer von engineer your idea
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